Welche Auffassung vertreten Sie zu dem Gesetzentwurf und welche grundsätzlichen Hinweise haben Sie diesbezüglich?

Gesetz zur Änderung des Thüringer Kindertagesbetreuungsgesetzes

Entwurf vom 20. März 2019
Eingebracht durch Mehrere Initiatoren
Federführender Ausschuss Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport
1
Die Diskussion ist seit dem 11.06.2019 abgeschlossen

Zurzeit befindet sich der Gesetzentwurf der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Gesetz zur Änderung des Thüringer Kindertagesbetreuungsgesetzes vom 20. März 2019 in der parlamentarischen Diskussion. Nachfolgend können Sie Ihre Meinung zu dem Gesetzentwurf abgeben, mit dem sich der Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport derzeit befasst. Mit Ihren Beiträgen, Ihren Erläuterungen oder Ihrer Kritik können Sie Einfluss auf die Arbeit des Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport nehmen.

Diskutieren Sie mit!

Die von Sachverständigen, Interessensvertretern und anderen Auskunftspersonen im Rahmen eines Anhörungsverfahrens eingereichten Stellungnahmen können mit Zustimmung der Anzuhörenden hier in der Beteiligtentransparenzdokumentation eingesehen werden.

Welche Auffassung vertreten Sie zu dem Gesetzentwurf und welche grundsätzlichen Hinweise haben Sie diesbezüglich?

03. Juni 2019 | Gast | Heike Morgenbrodt - stellvertretende Leitung der intergrativen Kneippkindertagesstätte Pusteblume in Jena
Anpassung des Personalschlüssels in Thüringer Kitas

Wir sind eine Kindertagesstätte die seit 30 Jahren besteht (15 Jahre Integrativeinrichtung) und eine Betriebserlaubnis bis 198 Kindern besitzt. Diese setzt sich zusammen aus ca. 60 Kindern unter 3 Jahren und 140 Kindern von 3 Jahren bis zum Schuleintritt. Auf Grundlage der vorhandenen langjährigen Erfahrungen in allen Altersbereichen, im Integrativbereich, im sozialen Brennpunkt und seit 2 Jahren auch in der vermehrten Aufnahme von Kinder mit Migrationshintergrund möchten wir kurz Stellung zum Personalschlüssel im Thüringer KitaG.
- Wir bedauern sehr, dass eine Verbesserung des Personalschlüssels in allen Altersbereichen nur sehr zurückhaltend diskutiert wird und offenbar nicht wirklich vorgesehen ist.
- In unserer täglichen Arbeit stellen wir uns den pädagogischen Herausforderungen einer modernen Kindertagesstätte, die sich nicht nur als Betreuungseinrichtung sieht, sondern den Bildungsauftrag der Gesellschaft im vollen Umfang wahrnimmt. Wir arbeiten nach dem Thüringer Bildungsplan und nach dem nationalen Kriterienkatalog für pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen.
- Folgende Anforderungen an unsere pädagogische Arbeit sind seit Jahren gestiegen:
o Der Thüringer Bildungsplan wurde inhaltlich vertieft, Bildungsbereiche sind hinzugekommen.
o Die Inklusive Bildung und Erziehung ist eine Bereicherung für alle am Bildungsprozess beteiligten und wird durch uns in der täglichen Arbeit seit Jahren umgesetzt.
o Die Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit sozial benachteiligten Familien im Bildungsprozess wird von unserem pädagogischen Fachpersonal praktiziert.
o Die Integration von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache und teilweiser psychischer Belastung (in Form von Traumata o.ä.) ist hinzugekommen. (Ca. 10 % aller Kinder haben keine deutsche Muttersprache. Auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse bei den Kindern als auch bei den Erziehungsberechtigten bedarf es einem relativen Mehraufwand an pädagogischer Begleitung. Unsere Pädagogen sind außerdem bemüht, die besonderen unterschiedlichen ethnischen Voraussetzungen im Blick zu haben, um eine individuelle bedürfnisorientierte Betreuung der Kinder und Familien mit Migrationshintergrund zu gewährleisten.)
aber die Rahmenbedingungen sollen sich nicht ändern!

Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden und eine annähernde Gleichberechtigung in der Betreuung aller Kinder Deutschlands in Tageseinrichtungen zu gewährleisten, bitten wir eindringlich um eine Anpassung des Personalschlüssels!
5 Kinder pro Erzieher für Kinder von 0-3 Jahren
12 Kinder pro Erzieher für Kinder von 3 Jahren bis Schuleintritt (wie in Sachsen bereits umgesetzt)

- Die Maximierung des Leitungsschlüssels auf 1,5 Vollzeitstellen pro Einrichtung sehen wir als positiven Schritt in die richtige Richtung. Als Einrichtung mit 198 Kindern stellt uns das dennoch weiterhin vor große Herausforderungen. Die Leitungstätigkeit hört nicht bei dem 150-sten Kind auf. Auch alle weiteren Kinder, Eltern, das notwendige Personal und die damit verbundenen organisatorischen Abläufe benötigen die pädagogische und organisatorische Führung einer Fachkraft.
- Derzeit werden diese Aufgaben durch sehr hohes persönliches Engagement der Leitung und Übernahme zusätzlicher Aufgaben durch stellvertretende Leitungen realisiert. Insbesondere die Aufgabenverteilung an die stellvertretenden Leitungen ohne personellen Ausgleich geht wiederum zu Lasten des hohen Betreuungsschlüssels der Kinder.

Wir bitten auch hier eindringlich, den Ist-Zustand zu überdenken und wären dankbar für eine Anpassung des Leitungsschlüssels auf 0,01 Leitungsanteil PRO Kind, unabhängig von der Gesamtgröße der Einrichtung.